Obst- und Gartenbauverein Laufental

Besuch bei Bosshard Gemüse

Elf Personen waren froh am 19. April 2024 Zuflucht vor dem garstigen Wetter in den Gewächshäusern von Christine und Marcel Bosshard zu finden.

Die Geschwister Bosshard produzieren Gemüse für die Migros, welches als "Aus der Region, für die Region" verkauft wird.
Wir bekamen die einmalige Gelegenheit eine Einblick in die Produktion von Tomaten und Gurken zu erhalten.

Bevor wir die Gewächshäuser betreten durften, mussten wir Schutzbekleidung und Handschuhe anziehen und wurden angewiesen keine Pflanzen anzufassen.
Das ist zwar etwas mühsam, ist aber total gerechtfertigt um eine Infizierung der Tomaten mit dem Jordanvirus zu verhindern.
Ein Befall mit diesem Virus würde die Existenz des Betriebes gefährden, da alle Pflanzen vernichtet werden müssten.

Erstaunt nahmen wir zur Kenntnis, dass alle Gurken und Tomatenpflanzen an Schnüren hochgezogen werden. Es müssen 70'000 Triebe regelmässig aufgebunden ausgegeizt und abgeernet werden.
Wenn die Pflanzen eine gewisse Höhe erreicht haben, dann werden sie an den Schnüren runtergelassen damit das vorhandene Licht optimal ausgenutzt werden kann.
Eine Tomatenpflanze sollte darum immer etwa 18 Blätter haben und Ende Saison ist die Pflanze so auf 15 Meter Länge angewachsen.

Damit die Pflanzen nicht von Pilzen befallen werden, wird das Klima überwacht und bei Bedarf wird mit grossen Ventilatoren die Luft bewegt.

Es werden viele kleine Helfer eingesetzt. Schädlinge wie Minierfliegen, welche die Blätter beschädigen,  werden mit Schlupfwespen bekämpft und für die Bestäubung werden Hummeln eingesetzt.
Um diese Nützlinge nicht zu gefährden werden so wenig Pestizide wie möglich eingesetzt.

Die Pflanzen wachsen alle in 20*20*100cm Kokosfaserblöcken, welcher mit einer Nährstofflösung versorgt wird. Die Pflanzen nehmen sich nur so viele Nährstoffe auf wie sie benötigen. Wie viel hängt auch vom Wetter ab.
Überschüssige Nährlösung wird gesammelt und wieder aufbereitet. So ist der Wassserverbrauch um die Tomaten zu produzieren viel geringer als in einem herkömmlichen Gewächshaus wo die Pflanzen in der Erde wachsen.

Das Gewächshaus ist ein technisches Wunderwerk. So wird die Nährstoffkonzentration in der Lösung automatisch mit Dosierpumpen und geeigneten Messgeräten eingestellt.
Abhängig von der Aussentemperatur und der Windrichtung werden die Lüftungsklappen im Dach des Gewächshauses gesteuert.
Die Steuerung der Anlage kann zudem zu einem grossen Teil auf dem Smartphone überwacht werden.

Noch mehr gestaunt haben wir als wir hörten, dass das CO2, das bei der Verbrennung von Erdgas entsteht (um die Gewächshäuser zu heizen), aufgefangen wird und in die Gewächshäuser eingeleitet wird.
Das CO2 wirkt auf die Pflanzen wie ein Superdünger, was die Erträge um 15 bis 20% erhöht. Die Pflanzen werden so zu einer CO2 Senke. Da die Pflanzen das CO2 nur am Tag aufnehmen, das Gewächshaus aber vor allem nachts beheizt werden muss, wird ein grosser Heisswasserspeicher verwendet, welcher am Tag die Wärme der Gasheizung zwischenspeichert um nachts dann zu heizen.

Aber am meisten verblüfft waren wir über den Geschmack der Tomaten, welche wir direkt ab den Sträuchern kosten dürften. Diese schmeckten wirklich süss und reif nicht so fad wie die meisten Tomaten, welche man im Winter im Laden kaufen kann.
Marcel Bosshard erklärte, dass der Geschmack von der Sorte kommt und nicht von der Anbauweise. Da die Transportwege kurz sind und die vollreifen Tomaten in speziellen Schachteln verpackt werden, wo jede Tomate einzeln in einer Schale liegen kann, ist es möglich aromatische Sorten mit dünner Schale zu verwenden. Diese bringen vielleicht etwas weniger Ertrag, dafür schmecken sie besser. Tomaten aus dem Süden müssen lange und in grossen Behältern transportiert werden, darum werden andere Tomatensorten verwendet, welche eine dickere Schale haben und zudem oft noch halber grün gepflückt werden müssen.

Ganz besonders hat es die Teilnehmer gefreut, dass sie am Schluss noch sehr grosszügig mit Datterini und Fleischtomaten beschenkt wurden. So schmeckt der Salat am Wochenende doch um einiges interessanter.

Nach diesem tollen Besuch werden beim einen oder anderen die Tomaten von Bosshard Gemüse "aus der Region für die Region" hoch im Kurs stehen. 

Vielen Dank an Christine und Marcel Bosshard und seine Gemahlin für die hochinteressante Führung und grosszügige Versorgung mit Tomaten.

 
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